
Die BuchBerlin ist eine der kleineren, regionalen Buchmessen, die sich deutlich von Frankfurt unterscheiden. (In Leipzig war ich noch nie, das kann ich daher nicht beurteilen.) Auf den ersten Blick wird klar: hier stehen nicht die Darstellung von Marktposition und kommerzieller Erfolg im Mittelpunkt, sondern die Lesenden. Diese Messe ermöglicht die persönliche Begegnung zwischen Leser*in und Autor*in, und das in einer Atmosphäre, die nicht von Hektik und Gedrängel bestimmt ist, sondern viel Zeit für einander bietet und damit auch das, wonach beide Seiten dürsten:
Wer ist die Person, die diese wunderbaren Welten erschaffen hat, in die ich als Leser*in so gerne eintauche, wie kam sie auf diese Ideen, was sind ihre nächsten Pläne? Auf der Suche nach neuem Lesestoff mache ich vielleicht Entdeckungen, die mir sonst verborgen bleiben würden, und wie schön, wenn mir ein*e Autor*in selbst mir dazu etwas erzählt. Und wer sind andererseits die Menschen, die meine Geschichten lesen? Ich erschließe mir vielleicht den einen oder die andere Leser*in, die ich sonst nicht erreicht hätte, einfach, weil ich die Möglichkeit habe, mich zu präsentieren und zwei Tage lang über meine Bücher sprechen kann. Als Buchblogger*in und /oder Buchhändler*in werde ich auf Titel aufmerksam, von denen ich noch nie gehört habe, weil sie in keinem Buchmagazin auftauchen, weil sie nicht vom Verlag gepuscht werden, weil sie nicht allgegenwärtig präsent sind in den (sozialen) Medien; als Veranstalter*in finde ich vielleicht das nächste Highlight für eine Lesung, als Verlag eine*n vielversprechende*n Autor*in für mein Programm.
Die Dimensionen sind hier andere; wer sich darauf einlässt, gewinnt.
Genau so habe ich die beiden Tage auf der BuchBerlin erlebt. Um es vorweg zu sagen: ein kommerzieller Erfolg war es definitiv nicht, aber dass ich beim ersten Mal mehr investiere als herausbekomme, war mir von vorneherein klar. Es geht eben nicht um Kommerz, sondern um die Sache selbst. Mich mit anderen Autor*innen auszutauschen – wer bist du, was machst du, und wie machst du es? – , war einmal mehr eine bereichernde Erfahrung, ob am Nachbarstand, bei der Zigarettenpause oder abends beim Bier. Leser*innen zu treffen und neu zu gewinnen, ist immer beglückend, Begeisterung ist eben des Künstlers Brot. Das, was für Autor*innen, die nicht von Verlagen vertreten werden, das A und O ist – offen sein, netzwerken, schnacken, Ideen entwickeln –, war hier mehr als möglich, und so bin ich mit vollem Adressbuch nach Hause gefahren, erfahrungsgesättigt, den Koffer voller neuer (Tausch-)Bücher, und vor allem hochmotiviert.
Was wir in unseren Gesprächen nämlich wieder und wieder festgestellt haben (und darin bestätigen mich die Eindrücke, die ich am Wochenende vom Publikum gewonnen habe): Die Leute sind es satt. Sie haben keine Lust mehr auf die immer gleichen Geschichten. se haben auch keine Lust mehr auf serienmäßig routiniert hingeschriebene Bücher, die den Markt bedienen, aber nicht mehr das Herz der Lesenden. Mögen sich auch die Buchcover und Titel in manchem Genre sehr ähneln, stecken dahinter gerade bei selbst verlegten Büchern oft die interessanten Geschichten, die es nicht in ein Verlagsprogramm geschafft haben, weil sie »gerade nicht Trend sind«. Tja, was ist der Trend? Der Ramsch im Modernen Antiquariat von morgen, der Titel, für den man beim Gebrauchtbuchankauf 15 ct bekommt.
Der Buchmarkt mag uns was anderes erzählen, die etablierte Literaturkritik auch (wer auch immer das sein mag oder sich dafür hält), ich glaube aber, dass eben dieser Markt und diese Literaturkritik nichts anderes sind als ein fast schon verzweifeltes Festhalten an der eigenen Macht. Die Leser*innen haben längst andere Wege gefunden: Kleinverlage und Selfpublishing sowie regionale oder thematisch spezialisierte Buchmessen bieten ihnen das, was sie suchen, Blogs, Newsletter und Social Media Accounts informieren sie darüber:
Überraschungen, neue Geschichten, frische Gedanken, andere Gesichter, andere Themen. Das ist mehr als ermutigend, denn da simmer dabei.